Immer noch
immer noch
die flachen Wiesen
die gradlinigen Wassergräben
die gleichförmigen Baumreihen
am Horizont
Immer noch
fahre ich
durch diese Landschaft
Die ungeliebte
Und geliebte
Ohne Beschwichtigung
Ohne Versprechen
Ohne Schönheit
Maßlos
die Wolkenbilder
darüber
(Aus: "Orte . Blicke." Bremen 2003)
Die Sprache der Liebe ist universell, kommt ohne Worte aus und ringt um sie. Liebe ist das große Thema der Kunst und der Literatur, ist grenzenlos verbindend, von West nach Ost, von Ost nach West. Durch viele Jahrhunderte berühren uns die Liebesgedichte der Lyriker des Ostens und Westens, sind Bekenntnis zum Leben, zur Schönheit und der Natur, verkörpern Bindung und Schmerz, Sehnsucht und Erfüllung.
In unserer Zeit, in der das Trennende und Hass sich ausbreiten, entgegnen wir mit Empathie und Vers. Der Verein „Diwan“ blättert in einer Veranstaltung mit Musik eine Vielzahl lyrischer Facetten auf und lässt die Zuhörenden in den Zauber der Liebeslyrik eintauchen.
Gelesen werden zeitlose Texte der großen persischen Dichter des Mittelalters (Rumi, Hafez), zeitgenössische Dichterinnen wie Ingeborg Bachmann oder Forugh Farroksad, jedoch auch andere, ergänzt durch Gedichte zweier Bremer Literaten aus dem Diwan Verein, Inge Buck und Gunther Gerlach so wie Cornelius Kopf Finke und Johannes Feest.
Musikalische Begleitung: Reza Zalpour, Ney Flöte und Setar
Donnerstag, 21. Mai, 19 Uhr
Sujet Verlag Bremen, Bornstrasse 18
Lyrik, 1. Auflage 2025
Sujet Verlag, ISBN: 978-3-96202-151-1-3
99 Seiten, 17,80€
In dem neuen Lyrikband von Inge Buck stehen die Gedichte in einem Spannungsfeld zwischen der Poesie des Alltäglichen und der Allgegenwärtigkeit der Kriege. Selbst der Maulwurf unter der Erde meidet die Menschen und ihre Kriege.
Es bleibt das Geheimnis der Taube, ob sie einen Zweig trug vom Ölbaum oder von der sterbenden Weide.
Mit Zeichnungen von Gunther Gerlach
Inge Buck verbindet in ihrem neuen Lyrik-Band persönliche Erfahrungen mit überpersönlichen, gesellschaftlich bedeutsamen, und zeitbewußte aktuelle Wahrnehmungen mit längst vergangenen, die in einprägsamen mythischen Sinnbildern zum Ausdruck gelangen.
Gert Sautermeister
Das Geheimnis der Taube
Trug sie einen Zweig
vom Ölbaum
oder von der sterbenden Weide
vom blühenden Zitronenbaum
oder vom Jasminstrauch
War es eine Legende
dass sie den Zweig trug
von Osten nach Westen
über das Zweistromland
übers Tote Meer
Wer weiß
dass es eine Taube war
und nicht der Vogel Greif
der Kriegsvogel
mit dem gekrümmten Schnabel
Wer sah die Taube
über dem Schlachtfeld
als sie unbeirrt
den Ölzweig trug
in ihrem blutigen Schnabel
Wer sah das Wolkenbild
in der Pfütze
Die Schönheit
der regennassen Straße
Das Abendlicht
zwischen den Bäumen
Die Leichtigkeit
des Staubs
Auch ein Poet
Nie mehr
habe ich den Maulwurf gesehen
in seinen dunklen Gängen
Er meidet
die Menschen
und ihre Kriege
Im blauschwarzen Fell
schaufelt er sich frei
unter der Erde
Unbeirrt
baut er seine Welt
mit blinden Auge
Die Schlange
Die Schlange
mit den zwölf Köpfen
die falschen Rat
einflüstert
Die Schlange
die sich häutet
die mit dem Feind
liebäugelt
Die Schlange
die in dein Herz kriecht
deine Gedärme
zerfrisst
Die Schlange
die vor deiner Tür liegt
die Frieden verspricht
und Krieg führt
Die Autorin Inge Buck auf ihrer Terrasse, Winter 2024. Foto: Daniel Zaidan (www.dezettimage.com)